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Die Markuskirche zu Sülfeld

 

Die Kirche, 1318 erstmals urkundlich erwähnt, gehört zu den so genannten Wehrkirchen dieser Gegend, die an der Ostgrenze als Schutz vor den Wenden im 11. Jahrhundert erbaut worden sind.

 Darauf deuten die ältesten Stücke, die wir an und in der Kirche finden:  

Ein archaisch wirkendes Tatzenkreuz an der Westseite des Turmes zur Straße hin, wo ursprünglich einmal der Eingang zur Kirche lag

 

 

und eine Maske an der Südseite des Kirchenschiffes zur Orgelempore hin.

Über die Bedeutung dieser Maske gibt es keine sicheren Erkenntnisse. Es wird vermutet, dass sie „böse Geister“ von der Kirche fernhalten sollte.

Diese Art der Masken findet man übrigens auch im Dom zu Königslutter.

 

Die äußere Fassade der Kirche wird von neugotischen Fenstern bestimmt, die paarweise in Steinsegmente eingelassen sind. Die Kirche betritt man heute durch ein Tor an der Nordseite eines Querhauses, das 1920/1921 an die Kirche angebaut worden ist. In dem dadurch gewonnenen Raum wurde der Konfirmandenunterricht erteilt und es wurden in ihm Andachten gehalten.

 

 

Durch eine Vorhalle betritt man das Kirchenschiff unterhalb der Orgelempore, die von kunstvoll verzierten Holzpfeilern getragen wird. Auf der rechten Seite liegt der Turmraum mit einem Kreuzgradgewölbe.

Zur linken Seite öffnet sich das Längsschiff und gibt den Blick auf den Altar frei. Das  Kirchenschiff und der Chorraum mit dem Altar sind optisch getrennt durch einen großen steinernen Bogen. Die Flachdecke besteht aus hölzernen Balken und Brettern.

 

Eine Stufe höher liegt der Chor- und Altarraum. Auf der linken Seite steht das Chorgestühl, eine achtsitzige Bank mit Schranken zum Eingang und Ausgang, auf der rechten Seite ein Taufstein aus dem 19. Jahrhundert.

 

Sehenswert ist die achteckige  Kanzel aus dem 17. Jahrhundert. Sie gründet auf einer kunstvoll bearbeiteten Säule und trägt einen Baldachin, in ebenfalls achteckiger Form gehalten. Vom Baldachin herunter schaut Gottvater.

 

 

Auf dem Baldachin krönt ein kleines, von acht Säulen gehaltenes Dach die barocke Kanzel. In die Kanzel eingelassen sind fünf hölzerne Tafeln mit der Darstellung der vier Evangelisten. Im Mittelfeld ist Christus, der „Salvator“ abgebildet.

 

Der Altar ist aus Resten eines Epitaphs für Georg (Jürgen) von der Wense gearbeitet.

 

 

 

Geschichtliches zur Kirche

 

·      1318 wird die Kirche zu Sülfeld erstmals urkundlich  erwähnt

     Besitzer und Patrone sind die Brüder Johann und Gebhard von Solvelde

·      1527 wird Johann Koldewese aus Osnabrück als erster evangelisch-lutherischer Pfarrer nach der Reformation in Sülfeld eingeführt

·      Witwe Anna von der Wense geborene von Münchhausen läßt zwischen 1602 und 1604 eine

     Prieche einbauen, das Mauerwerk des Turmes erhöhen und die Kirchhofsmauer errichten

·       Elisabeth Sophia von der Wense geborene von Bodendorf läßt 1647 eine Kanzel erstellen

·       1660 bekommt die Kirche zwei neue Glocken, gegossen von Helmhold aus Braunschweig

·       1710 wird die Kirche restauriert und geweißt

·       1854 erfolgt eine gründliche Renovierung der Kirche

·       1855 verkauft die Kirchengemeinde den Flügelaltar an das Provinzialmuseum in Hannover

      (heute „Niedersächsisches Landesmuseum“)

·       1868 wird der hohe Dachreiter auf den Turm gesetzt

·       1920/1921 Renovierung der Kirche und Bau des Konfirmandensaals an der Nordseite der Kirche

·       1925 entsteht der neue Friedhof an der Wettmershagener Straße

·       1935 erhält der Turm ein Kupferdach (vorher Schiefer)

·       in der Nacht vom 16. Auf den 17. Januar 1954 stürzt der Kirchturm während  eines Orkans auf das Kirchendach, zerstört das Gewölbe und bleibt im Kirchenschiff liegen. Kirchenschiff, Altar und Orgel werden schwer beschädigt

·      Pfingstsonntag 1955 wird der erste Gottesdienst in der renovierten Kirche gehalten

·      am Erntedankfest 1956 ist der Turm, wenn auch in einfacher Form, wieder erbaut

·      mit finanzieller Unterstützung durch die Stadt Wolfsburg wird der hohe Turm von 1868 nach originalen Plänen, allerdings aus statischen Gründen um etwa 6 Meter verkürzt, wieder erstellt und Dezember 1992 eingeweiht

·      zwischen 1993 und 1995 wird die Kirche grundlegend restauriert

·      von 1994 bis zum März 1995 wird das alte Orgelprospektum restauriert und eine neue Orgel von der Firma Hillebrand aus Altwarmbüchen bei Hannover eingebaut

 

 

Patrone der Kirche waren:

 

·      Johann und Gebhard von Solvelde, die „Herren von Solvelde“

·       Wedekind von Garßenbüttel

·       Ludolf von Hohnhorst

·       Kloster Riddagshausen

·       Hans von Bortfeld

·       Asche von Kraunnen

·       Lohalm von Elten

·       Werner von Bevensen

·       Rudolf von Bevensen

·       Melchior von Marenholz

·       Brandt von Mönnighausen (Münchhausen)

·       Franz Otto von der Wense

·       Georg (Jürgen) von der Wense

 

 

 

Inschrift einer Grabplatte auf der Rückseite des Altars

 

...ist der wohledler, gestrenger (Herr) Frantz

von der Wense zur Wense ...... daselbst uff

diese Welt gebohren und in Anno 1600 an Mariae Magdalenae

zu Sülfeld im Herrn entschlafen seines Alters 53 Jahr.

Anno 1563 ist die wohletle, Ehr und vieltugendreiche Frau

Anna von Münchhausen auss dem Hause Apelern zur Welt ge-

bohren und Anno 1629 am Mariae Himmelfahrt zu Buck-

em sehlig gestorben, ihres Alters 66 Jahr.

Seynd beyde allhier zu Sülfeld begraben, und dieses Epi-

taphum von denen annodi im Leben vorhandenen Erben

ihren in Gott ruhenden sehligen Eltern zur

Gedächtnis nachgesetzet worden, geschehen im Jahre Christi 1648.

 

Fensterbild

Kanzelbild

 

 Verfasser: Pastor Georg Leupold